Segeltörn 2019, entlang der gesamten deutschen Ostseeküste     

Crew: Christa, Walter und Tom
Boot: Segelboot Biga 262
Reisedatum: 05.06.19 bis 17.08.19

 

Unsere Reise begann am 05.06.19 am Tegeler See. Bei schönem Wetter ging es, wegen der Sperrung der Schleuse Spandau über Plötzensee und Charlottenburg Richtung Spandau und weiter Havelabwärts zur Marina Lanke. Hier wurde erst einmal getankt, bevor wir den Weg nach Brandenburg fortsetzten. Dieser Umweg über die Spree verlängerte die Fahrzeit um etwa drei Stunden. In Brandenburg fuhren wir nach der Schleusung gleich in die Stadtmarina wo wir dann den ersten Reisetag mit einem guten Schluck beendeten.

Am folgenden Tag ging die Reise weiter Havelabwärts bis Rathenow. Auf dieser Strecke ist die Havel besonders schön und man kann die Fahrt sehr genießen. Das gilt auch für die folgende Strecke bis Havelberg, die wir nach der Übernachtung in Angriff nahmen. Hier gab unsere Kühlbox in Batteriebetrieb leider den Geist auf. Wir konnten also nur noch mit 220 V/AC Landstrom kühlen. Das half uns natürlich nicht weiter. Ich habe dann die Sicherung im Stecker ausgewechselt und der Schaden war fürs erste behoben. Nachdem wir am Samstag Richtung Elbschleuse gestartet waren und etwa 200 m hinter uns gelegt hatten ging die Box erneut kaputt, da die Batterie nun den höheren Ladestrom von der Lichtmaschine an die Box weitergab. Also zurück in die Marina. Ich ging dann in die Stadt, um einen Elektronikladen aufzusuchen. Beim dritten Anlauf hat es dann geklappt. Ich erhielt Sicherungen mit einem höheren Wert, die ich dann einbaute, mit dem Hintergedanken, wie lange hält der Elektromotor das aus. Wir fuhren dann mit einiger Verspätung in die Elbe, um nach Dömitz zu gelangen. Die Fahrwassertiefe auf der Elbe war noch akzeptabel und wir konnten Dömitz problemlos erreichen. Niedrigwasser hat natürlich auch einen Vorteil. Es lassen sich keine Binnenschiffe sehen, die die Sportschiffe häufig in Bedrängnis bringen, weil sie die tiefere Fahrrinne beanspruchen. Am späten Nachmittag suchten wir ein Restaurant auf und nahmen in einem Biergarten Platz. Von hier aus hatte man einen hervorragenden Blick auf einen ca. zehn Meter hohen Schornstein, auf dem sich ein belegtes Storchennest befand. Die jungen Störche wurden ständig gefüttert und machten am Rand des Nestes ihre ersten Flügelschläge. An der Nestseite hatten sich zwei Sperlingfamilien eingenistet, die ihre Jungen fütterten. Es war ein ständiges kommen und gehen, zur Unterhaltung der Biergartengäste.

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Am folgenden Tag brachen wir auf, um Bleckede zu erreichen. In Bleckede wurden die üblichen Einkäufe erledigt, um am nächsten Tag über Lauenburg Richtung Güster zu fahren. In Lauenburg hatten wir an der Schleuse etwa zwei Stunden Wartezeit, da bei unserer Ankunft gerade eine Schleusung in unsere Richtung lief. Auch die Schleusen müssen mit dem Wasser haushalten, um in den Kanälen die angegebenen Wassertiefen halten zu können. Die weitere Fahrt bis zum nächsten Übernachtungspunkt lief problemlos. Das Abendessen in dem Restaurant der Marina war limitiert. Die nach uns kommende Crew hat schon nichts mehr bekommen. Für uns gab es nur noch Currywurst mit Pommes oder Kartoffelsalat. Alles andere war schon vergeben.

Nach durchstandener Nacht ging es gegen zehn Uhr auf Richtung Lübeck. Das Wetter war gut und man konnte sich während der Fahrt mit den Radfahrern, die entlang des Kanals fuhren, unterhalten. Einige warteten schon an der nächsten Schleuse, um einen Schleusenvorgang zu sehen. In Lübeck gibt es mehrere Brücken, die nicht sehr hoch sind. Somit versuchte natürlich ein Motorbootfahrer sein Glück und fuhr ganz langsam gegen eine Fußgängerbrücke.

 05:30 Uhr Sonnenaufgang 4 nm Strb. Querab Heiligendamm    

 

Er blieb dann unter der Brücke stecken und baute seinen Aufbau ab. An der nächsten Brücke fuhr er dann schneller hindurch, hatte aber die Rechnung ohne seine Antenne gemacht, die dann beschädigt wurde. Gegen Abend erreichten wir die Stadtmarina New Port. Von hier aus sind es nur wenige Schritte zur Altstadt. Hier kommen die Marzipanfreunde auf ihre Kosten, so auch Christa. Es kam nun wie es kommen musste, die Kühlbox gab ihren Geist in Batteriebetrieb auf. Christa hat sie dann in Thermopapier gewickelt, um die Kühlung aus dem Landstromanschluss zu erhalten. Kaputtgegangen ist nicht der Elektromotor, sondern ein Teil der elektronischen Steuerung.

Bild01   In Lübeck, in dieser schönen Stadt blieben wir wie immer einen Tag, um zu bummeln und Kleinigkeiten zu kaufen. Wer will kann in dieser Marina schon den Mast stellen, wenn er keine Hilfe benötigt. Man muss sich dann nur an die Öffnungszeit der Klappbrücke halten, um Richtung Ostsee zu gelangen. Wir sind anschließend nach Travemünde gefahren wo wir dann einen Tag später den Mast stellten. Am 16.06.19 haben wir erst einmal getankt und sind dann nach Neustadt gesegelt. Mit wenig Wind ging es bis in die Marina Neustadt, links der Hafeneinfahrt. Das musste so sein, denn auf dieser Seite sind die Einkaufsmärkte ca. 30 min Fußweg von der Marina entfernt. Unsere Fahrt ähnelt die des Columbus. Immer auf der Suche des kürzesten Seeweges zwischen ALDI und dem nächsten EDEKA. In dieser Marina blieben wir auch einen Tag länger. Hier bekommt man alles, aber zu einem horrenden Preis. Lediglich der Dieselkraftstoff ist ca. 20 ct. Billiger als in Travemünde. Wir besorgten uns bei "Toom" eine neue Kühlbox, die beinahe doppelt so groß ist wie die alte Box. Sie läuft in Batteriebetrieb mit einer geringeren Stromaufnahme als die alte. Obwohl es der gleiche Hersteller ist, denke ich, sie wird diesen Sommer überstehen. Ein Waschtag rundete den angenehmen Aufenthalt ab.
 Lindaunis Brücke    

 

Am 18.06.19 segelten wir nach Grömitz wo wir um 13:15 Uhr eintrafen. Wir mussten etwas kreuzen, da der Wind nicht optimal kam. Desweiteren war die Marine in diesem Seegebiet sehr aktiv. Hier blieben wir wegen Wetter einen Tag länger. Das war auch richtig, denn vor Pelzerhaken ist zu diesem Zeitpunkt eine 7,60 m Jacht mit zwei Seglern gekentert. Die Bundespolizei, die gerade vorbeifuhr, hat die Segler gerettet und später der angeforderten DGzRS übergeben. Wir hatten Zeit, da wir das Schießgebiet in der Howachter Bucht erst am 22.06.19 um 12:30 Uhr passieren konnten.

Am 20.06.19 ging es von dort nach Burgstaaken. Das ist ein wichtiger Hafen, da man seit Jahren im goldenen Anker, nach meinem Geschmack, den besten Labskaus an der deutschen Ostseeküste bekommt. Am 22.06.19 segelten wir um 9:00 Uhr los, um die Schießgebietsgrenze in der Howachter Bucht zu erreichen. Was soll ich sagen, wir waren on time an dem betroffenen Punkt, die gelbe Tonne des Warngebietes. Einige Boote fuhren in das Schießgebiet hinein, doch wir zögerten, da an Land die Warnlichter Gelb / Rot noch blinkten. Das bedeutet, beide Schießgebiete sind noch in Betrieb. Da weit und breit kein Kontrollboot der Marine zu sehen war fuhren wir auch in das Gefahrengebiet ein. An der Grenze der Gefahrengebiete Putlos und Todendorf liegt der Hafen Lippe. Die Einfahrt ist nur noch mit einer roten Spire gekennzeichnet die man vor dem Hintergrund sehr schlecht erkennen kann. Wir sind dann entlang der Küste gesegelt bis wir die Hafeneinfahrt gefunden haben. Dabei haben wir festgestellt, dass wir eine Stunde vorher kurz vor der Einfahrt standen. Die Einfahrt geht etwas schräg in den Hafen. Man erkennt das Gate erst wenn man kurz davor steht. Die Einfahrt wurde zu diesem Zeitpunkt ausgebaggert. Es kommen nun auch Boote mit mehr Tiefgang in den Hafen. Um 16:20 Uhr waren wir dann in Lippe. Lippe ist in the middle of somewhere. Ein Restaurant was wegen geschlossener Gesellschaft keine Gäste nahm. (Hochzeit, muß ja auch mal sein) zwei Imbissbuden von der die auf dem Campingplatz überm Deich sehr gute Portionen anbietet. Zwei Stunden später lag dann unser Kater Tom im Brackwasser und krallte sich an der hölzernen Spundwand fest. Christa hat ihn dann gerettet und gleich unter die Wasserleitung gehalten. So sauber war der Kater noch nie.

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Am 26.06.19 fuhren wir unter Motor die sechs Meilen zur Marina Mönkeberg. Die Marina liegt hinter der Friedrichsorter Enge, etwa gegenüber der Einfahrt zum NOK. Man liegt hier verkehrsgünstig. Der Fähranleger und die Bushaltestelle sind nur wenige Minuten von der Marina entfernt. Der Fördeverkehr der Kieler Woche kann hier aus nächster Nähe betrachtet werden. Diesen Tipp bekamen wir von Seglern, die mit uns in Wendtorf das Feuerwerk in Schilksee angesehen haben. Nach dem Ende der Kieler Woche mit abschließendem Feuerwerk änderte sich auch das schöne Wetter in Sturm und Regen. Somit lagen wir am 04.07.19 noch immer hier im sicheren Hafen. Der Sturm fegt über die Mole und unser kleines Boot, der Leuchtturm Kiel meldet 8 Bft und 14 degr. C, was für den Hochsommer, so meine ich, etwas zu niedrig ist. Nachts geht die Temperatur bis auf 8 degr. C zurück.

Schließlich sind wir am 08.07.19 von Mönkeberg nach Strande gesegelt. In Strande haben wir erst einmal einen Waschtag eingelegt. Nachmittags sind wir dann nach Bülck zum Leuchtturm gewandert. Das Wetter wurde von Stunde zu Stunde besser.

Schleimünde, Lotsenhaus, Hafenmeister und Giftbude    

 

Am 10.07.19 haben wir dann den großen Schlag gewagt. Wir sind von Strande nach Maasholm in die Schlei gesegelt. Es ging mit einer halben Meile Abstand um den Leuchtturm Bülck herum, quer über den Stoller Grund (genannt: toller Haund, manchmal Kreuzseen je nach Windrichtung), die Eckernförder Bucht, vorbei an Damp und Olpenitz bis Schleimünde in die Schlei nach Maasholm. Dort legten wir einen Tag Pause ein, um das Boot zu klarieren. Am Tag darauf fuhren wir unter Motor die vier Meilen bis Kappeln. Segeln lohnte sich nicht, da der Weg so kurz war und wir eh gegenan mussten, was sich auch bis Schleswig nicht ändern sollte. Grund ist das enge Fahrwasser. In Kappeln haben wir dann die noch ausstehenden Einkäufe erledigt. Eine Wanderung zum Heringszaun und der Umgebung, sowie eine Stadtbegehung war sehr schön. Der Liegeplatz beim ASC in Kappeln, kurz hinter der Brücke, vor der Promenade ist sehr zu empfehlen. Hier liegt auch der alte Sausewind, der an unserem Steg beheimatet war.

   

Einen Tag später ging es dann nach Schleswig, bis nach dem letzten Krieg, die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein. Hierbei muss man genau das Fahrwasser einhalten, da die Schlei mehr und mehr verlandet. Wir lagen im Stadthafen an der Promenade, direkt unter dem Hafenmeisterbüro. Während der nächsten zwei Hafentage, die sehr kalt waren, haben wir die Einkäufe getätigt, die wir in Kappeln nicht machen konnten. Man fährt mit dem Bus für 4 Euro hin und zurück, mit der Linie 1504 ab ZOB zu REWE am Funkturm. So heißt die Haltestelle wirklich und ist dort von allen bekannten Kaufhäusern umgeben. Der nächste Liegetag führte uns durch den nahegelegenen Ortsteil Holm, den man unbedingt gesehen haben muss. Eine Dombesichtigung schloss sich an, sowie später ein Abendessen in Holm. Der Dom wird z.Z. restauriert.

Weiter ging es am nächsten Tag bei Windstille nach Arnis. Arnis ist mit etwa 600 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands seit Ende des Krieges. Die Stadt hat im Prinzip nur eine Straße, die Lange Straße, was in der Tat auch die längste Straße ist. Hier stehen sehr schöne alte Häuser.

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    Schleimünde aus der Schlei

 

Ähnlich wie in Holm stehen vor den Häusern Rosenstämme, die so der gepflasterten Straße eine sehr schöne Seitenansicht geben. Die Marina ist sehr familiär und man fühlt sich hier wohl. Von Arnis ging es zurück nach Maasholm, wo wir das Boot für die Fahrt nach Flensburg vorbereiteten. Am folgenden Tag starteten wir Richtung Flensburg. Mit achterlichem Wind und geöffnetem Großsegel ging es in Schleimünde in die Ostsee. Nach einer halben Meile änderten wir den Kurs Richtung Norden und zogen die Fock. Mit drei bis vier Knoten segelten wir vorbei am Leuchtturm Falshöft, den wir on time passierten und hatten nach einem erneuten Kurswechsel bald den Leuchtturm Kalkgrund vor dem Bug. Er steht sehr weit vor der Küste bei Gelting und deckt das Flach ab. Man muss ihn umrunden da scheinbar nur ortskundige den 2 m Pass durch das Flach kennen. Eine Meile östlich von Leuchtturm Kalkgrund schwamm eine Gruppe von etwa sechs Schweinswalen neben uns her und zeigte ihr können. Es war sehr schön anzusehen wie spielerisch sie sich im Wasser bewegten. Nachdem wir den Leuchtturm passiert hatten setzten wir Kurs auf Langballigau, wo wir wohl den letzten Liegeplatz in der Nähe der Slippanlage erwischten. Es handelt sich hier um einen schönen kleinen Naturhafen in der Flensburger Förde den wir als Zwischenstation nach Flensburg benutzten.

 

Bild04   Am folgenden Tag meldete sich ein Gewitter an und wir waren uns erst einmal nicht schlüssig ob wir noch bis Flensburg segeln sollten. Wir fuhren aber los, mit direktem Kurs auf die Schwiegermutter, um im Zweifelsfall Minde in Dänemark anzulaufen. Da das Gewitter auf sich warten ließ setzten wir den Kurs auf Flensburg ab, da hier im Ernstfall noch einige Schlupflöcher zu erreichen waren. Gegen 17:00 Uhr traf dann das Gewitter ein. Zweieinhalb Stunden vorher hatten wir schon in dem Segelclub WVG (Wassersportverein Galwik), zwischen Niro Petersen und dem Kraftwerk festgemacht. Es war Wochenende, und dann sind die Marinas voll mit dänischen Seglern, die sich hier mit allerlei geistigen Getränken eindecken und sonntags wieder zurück fahren. Der Weg in die schöne Stadt Flensburg, wo ich vor 51 Jahren meinen Führerschein machte, dauerte zu Fuß etwa zwanzig Minuten um an die richtige Hafenseite zu gelangen. Einkaufsmöglichkeiten waren ganz in der Nähe. Also was will man mehr, es passte alles. Wir blieben einige Tage in Flensburg und stellten nebenbei fest, die Innenförde war an den warmen Tagen voll mit Quallen, die an die Oberfläche kamen. Dies hing wahrscheinlich mit der Wassertemperatur von etwa 24 degr. / C zusammen, was den sauerstoffgehalt des Wassers einschränkt.

Schleimünde aus der Schlei. Einfahrender Segler  

 

Später in Maasholm stellte sich heraus, das Unterwasserschiff war voll mit kleinen Muscheln. Dann machten wir uns auf den Rückweg, denn hier ist für Deutschland die Ostsee zu Ende. Wir segelten wieder nach Langballigau um am nächsten Tag bei Ostwind bis nach Maasholm zu kommen. Wir mussten also kreuzen und brauchten somit etwa 10 Stunden für die Strecke. Bei Kalkgrund machte ich den Vorschlag nach Sonderburg zu gehen, da sich das Wetter ändern würde. Es wurde aber entschieden Maasholm anzulaufen. Das Boot lief wie mit angezogener Handbremse. Wie sich, wie beschrieben in Maasholm herausstellte, lag das an dem Muschelbewuchs, den wir bei der Hinfahrt noch nicht hatten. Sogar mit Motor war die Höchstgeschwindigkeit nur drei Knoten an der Logge und am GPS. Wir holten also sehr weit aus, bis vor Kegnaes um dann den Kurs auf Falshöft abzusetzen. Mit etwas kneifen gelang die Sache auch. Mit drei großen Schlägen kamen wir bis nahe dem Flach an Schleimünde ran. Dann machten wir einen weiteren Schlag um das Flach herum um die Ansteuerung anzuliegen. Da der Wind nun schon auf 4 – 5 Bft aus Ost aufgefrischt hatte war die Einfahrt natürlich frei von Booten. Lediglich die Anzahl der Zuschauer auf der Nordmole war höher als sonst. In der Fachliteratur hatte ich gelesen, beim Einfahren, bei starkem Ostwind soll man unter Segel auf die Mitte zuhalten und den Motor in Betrieb halten, um zur Not den Joker ziehen zu können. Die Ansteuerung war mittlerweile links von uns und das Tonnenpärchen mittig vor uns. Noch einen Rundumblick, es war niemand in der Nähe, der uns Probleme machen konnte. Also ab auf die Mitte mit Vollzeug. Die Zuschauer drängten nun alle an den Molenkopf und ich dachte, es wird so kommen wie in dem Buch beschrieben. So kam es dann auch. Wir waren wenige Meter vor der Einfahrt, als sich das Boot quer stellte. Wir wurden nach Backbord auf die Steine zugeschoben. Ich brachte den Motor auf 80% Leistung und konnte somit den Kahn wieder in Fahrtrichtung bringen. Der Wind kam wieder in die Segel und es dauerte nur wenige Sekunden und wir waren durch das Gate in ruhigerem Gewässer. Ich hatte die Versetzung von der anderen Seite erwartet aber da wir in der Mitte waren blieb genügend Zeit die Sache auszubügeln. Je nach Windstärke aus nördlichen bis östliches Winden läuft eine Welle Quer zur Einfahrt. Bei genauem Hinsehen kann man an den Steinen die Seeseitig nördlich der Einfahrt liegen manchmal sehen ob sich das anrollende Wasser auch in Richtung Einfahrt bewegt. Da muss dann aber ein zweites Besatzungsmitglied hinsehen, der Rudergänger hat zu dieser Zeit genug zu tun. Auf dem Weg von Schleimünde bis Maasholm fuhren wir dann mit Motor weiter und holten die Segel herunter. In Maasholm legten wir anschließend eine Hafentag ein, um das Unterwasserschiff zu begutachten. Es war wie beschrieben voll mit Muscheln. An zwei weiteren Tagen habe ich mit einem Hartholzkeil das Unterwasserschiff gereinigt. Die Schraube habe ich nur notdürftig von Muscheln befreit. Den Kiel werde ich erst säubern, wenn das Boot aus dem Wasser ist.

Am 29.07.19 brachen wir dann auf Richtung Strande. Eckernförde ließen wir leider aus, da wir ca. eine Woche behind schedule waren. Der Kahn lief beinahe wie gewohnt und wir erreichten Strande gegen 14:00 Uhr. Der folgende Tag begann erst einmal mit tanken, da der Dieselkraftstoff hier günstig zu bekommen ist. Wir wollten wegen Wetter eigentlich nur bis nach Lippe fahren, worauf der Kurs abgesetzt war.

 

Da sich das Wetter verschlechterte und mindestens zwei Hafentage voraussagte gingen wir durch bis Heiligenhafen. Es war somit ein kleiner Umweg eingeplant, aber zwei Tage in der Mitte von nichts ist auch nicht gut. Da im August die Bundeswehr Urlaub macht, wird auch nicht geschossen. Wir fuhren also durch das Schießgebiet bis Heiligenhafen. Von der Sundbrücke, die wir zehn Minuten vorher noch klar und deutlich vor uns hatten, war auf einmal nichts mehr zu sehen. Die Ansteuerungstonne nach Orth und Heiligenhafen war auch aus dem Blickfeld verschwunden und so arbeiteten wir uns per Karte und Lot um Grasswarder bis zum Fahrwasser nach Heiligenhafen. Die Sicht wurde langsam besser und wir konnten feststellen, wir lagen richtig vor der Rinne. Andere Boote hatten das gleiche versucht und fuhren etwas weiter vor uns. Nach zwei Hafentage ging es dann nach Grömitz. Hier würde die Entscheidung fallen, wie fahren wir nach Berlin. Angedacht war über die Elbe. Die führte in Dömitz nur 70 cm Wasser. Hinzu kam die Unterspülung des Wehrs in Geesthacht, weshalb die Elbe bei Lauenburg um weitere 50 cm abgesenkt wurde, um die Unterspülung schließen zu können. Die Schleuse Lauenburg blieb wegen der Absenkung geschlossen und in den Elbe Seitenkanal konnte man bei diesem Wasserstand erst gar nicht einfahren.

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    Leuchtturm Kalksand vor der Sonderburg Bucht

 

Die einzige Möglichkeit, die blieb, war Kühlungsborn - Barhöft. In der Marina "Hohe Düne"in Warnemünde hatte man die Liegeplatzpreise zu der nun laufenden Hanse Sail um 100% erhöht. Für unser Boot also 40 Eur nur um auf besseres Wetter zu warten. Wir entschieden uns eine intensive Wetterbeobachtung zu machen und statt Warnemünde erst einmal Rerik im Salzhaff anzulaufen. Das war eine sehr gute Idee, die wir genossen haben. Dann wurde es ernst mit dem Wetter. Wir fuhren nun zum Absprunghafen Kühlungsborn und warteten auf das Wetterfenster was sich einen Tag später öffnete. Es wurde noch einmal vollgetankt für 1,70 Eur/L damit wir die 60 nm problemlos überstehen konnten. Nach etwa vier Stunden mussten wir eh den Motor für zwei Stunden laufen lassen, um die Batterie zu laden. Ohne Strom, keine Navigation und keine kalten Getränke. Der Kurs war abgesetzt auf die Südöstliche Tonne der Reede 1 mit der Option, bei schlechter werdendem Wetter nahe dem Fahrwasser nach Warnemünde zu kommen. In diesem Bereich fahren die Fähren schon außerhalb des Fahrwassers. Kritisch wird es erst vor der Einfahrt nach Warnemünde. Hier wird es dann eng. Das Wetter spielte aber mit und wir segelten um 5:30 Uhr genau in den Sonnenaufgang, vorbei an Heiligendamm, der weißen Stadt. Nach etwa 10 nm erreichten wir die besagte Tonne bei Sonnenschein. Die Reede war bestückt mit Segelschiffen und Kriegsschiffen, die später nach Rostock einliefen. Die erste Fähre, mit der wir auf Kollisionskurs waren, ließen wir durch langsame Fahrt passieren, um vor der folgenden Fähre den Seeweg gekreuzt zu haben. Alles lief wie geplant und wir segelten in einiger Entfernung vorbei an Dierhagen, Wustrow und Ahrenshop Richtung Darßer Ort. Die andere Seite, der Saaler Bodden ist uns aus den Jahren zuvor sehr bekannt. Gegen Mittag erreichten wir planmäßig Darßer Ort und setzten Kurs auf den Leuchtturm Gellen auf Hiddensee. Von hier sind es etwa 25 nm bis Barhöft. Normalerweise ist es eine eintönige Fahrt entlang von Darss und Zingst. Aber der Wettergott vertrieb uns die Langeweile durch Starkwind und Regen, der auch bis Hiddensee anhielt. Dann ging es ins Fahrwasser nach Barhöft wo wir von einer Mückenplage begrüßt wurden. Die ganze Aktion hat elf Stunden gedauert.

 

Das wäre ein Etmal von 130 nm gewesen, was für ein acht Meter Boot schon eine beachtliche Leistung ist. In Barhöft wurde erst einmal der Kater versorgt und geduscht, dann ging es zum Essen in das nahegelegene Restaurant und dann wurde geschlafen. Am nächsten Tag segelten wir nach Stralsund, um den Mücken zu entkommen, die, so sagt man, eigentlich nur als Nahrung für die Singvögel in Barhöft sind. In Stralsund haben sich nach der Erweiterung der Marina auf Dänholm die Liegeplätze gelichtet. Es ist nicht mehr so voll wie vor Jahren. Viele spät ankommende Boote fahren gleich nach der Brückendurfahrt in die Vereinsmarina. Es verteilen sich somit die Segler auf nun zwei Marinas. Am nächsten Tag ging es schon früh los. Wir wollten den Brückenzug um 8:20 Uhr erwischen.

 

Bei der Anfahrt auf die Brücke trafen wir dann auch Segler aus dem FSJ (Fahrten - Segler Jörsfelde vom Niederneuendorfer See) die einige unserer Mitglieder kannten, die in der gleichen Volleyballmanschaft spielten. Sie fuhren aber nach Greifswald und wir Richtung (Peenemünde). Nach der Brückendurchfahrt wurden vor der Volkswerft die Segel gesetzt.

  Bild06
    Rerik zwischen Ostsee und Salzhaff

 

Anschließend segelten etwa zwanzig Boote durch den Strelasund bis etwa Stahlbrode. Hier ließ der Wind nach. Wir baumten noch die Fock aus und segelten vor dem Wind bis zur Tonne Ariadne im Greifswalder Bodden. Ab da musste der Motor mitlaufen, um vorwärts zu kommen und Strom zu haben. In Kröslin angekommen mussten erst einmal Waschmaschine und Trockner an die Arbeit. Am nächsten Tag wurde noch eingekauft und getankt. (1,80 Eur / L) Dann ging es Richtung Wolgast, wo wir in der Mittagszeit die Brücke passieren wollten. Es war schönes Wetter aber ein böiger Wind. Nach dem Tanken setzten wir gleich die Segel und zogen gegen Wolgast. Andere Boote folgten uns und versuchten es auch mit Segel voranzukommen. Man musste zeitweise in dem befahrenen Fahrwasser höllisch aufpassen. Zwischen Karlshagen und Wolgast in der Kurve erwischte es uns auch und wir drehten uns um die eigene Achse. Zum Glück hatten wir Platz. Die Segel kamen für die letzten Meter runter und wir fuhren etwa eine halbe Meile vor der Brücke nach Steuerbord in die Landabdeckung. Vorsicht, hier ist es nur 1,20 m tief, aber windgeschützt aus Nord bis Nordwest. Nach der Brückendurchfahrt kamen die Segel wieder hoch und blieben bis Karnin, hinter der Zecheriner Brück oben.

 

Bild08   Gegen zehn Uhr am folgenden Tag war der Wind sehr vielversprechend. Wir legten ab und segelten über das Haff. Bis Ansteuerung Ueckermünde lief alles prima. Aber dann legte der Wind eine Pause ein und bescherte uns ab Brama Torowa 2 wieder mit segelbarem Wind. Ab hier lieferten wir uns ein Rennen mit einer Yacht aus Stepnika, die Karnin etwa eine Stunde vor uns verlassen hatte und nun eine halbe Meile Vorsprung besaß. Das ist gut auf dem langweiligen Stück Seestraße. Auf jeden Fall kam der Wind genau richtig. Am Leitholm waren wir dann gleich auf. Wir segelten noch bis zur Schiffswendestelle an der oberen Einfahrt in den Dabie See, dort wo das Betonschiff liegt und holten die Segel ein. Mit Motor ging es dann zur Marina Goclaw wo wir am nächsten Morgen den Mast legten. Nach getaner Arbeit ging es bei schönem Wetter über die Westoder nach Gartz. Es war ca. 19:00 Uhr und wir versuchten an dem Automaten ein Liegeplatzticket zu bekommen. Da die Sonne auf den Automaten schien konnte man die Gebrauchsanweisung erst gar nicht lesen. Die vorsorglich gedruckte Gebrauchsanweisung, die neben dem Gerät hängt, ist nicht vollständig und die angegebenen Preise stimmen zum Teil nicht. Es handelt sich hierbei um das komplizierteste Ticketgerät was man auf so einer Tour betätigen muss.
Westoder bei Mecherin    

 

 

Ich denke, die Wartungs- und Reparaturkosten übersteigen ein Vielfaches der jährlichen Einnahmen. Nach einer halben Stunde hatte ich dann legal einen Liegeplatz ergattert. Dann musste was zu essen besorgt werden, was nicht so einfach war. Die Gaststätte, die im letzten Jahr noch geöffnet war, gibt es nicht mehr. Es hat um diese Zeit nur noch der Biergarten in der Mitte von Gartz geöffnet. Hier bekommt man aber gute Portionen zu einem angemessenen Preis. Der nächste Tag brachte uns nach Schwedt. Es war eine ruhige Fahrt über die Westoder. Wir legten uns an den Anleger des früheren Vereins "Rotation". Das Hafenbecken des Ruderclubs war voll mit Motoryachten. Es lohnt sich auf jeden Fall eine Stadtbesichtigung zu machen. Die Stadt ist sehr schön durch einen Künstler aus Dresden bemalt worden. Wir haben uns diese großflächigen optischen Täuschungen an zwei Tagen angesehen. Es geht gleich neben der Marina los. Das Theater sollte man als erstes umrunden und den oberen Teil im Auge behalten. Dann geht man Richtung Rathaus und sieht sich die bemalten Giebelwände an. Anschließend Richtung Bahnhofstraße wo damals die ersten Häuser bemalt wurden. Hier kann man beim Griechen gut essen und ist in 10 Minuten wieder auf dem Boot.

Am vorletzten Tag fuhren wir über die Friedrichsthaler Wasserstraße zur Schleuse Hohensaaten, die wir ohne Wartezeit passieren konnten. Weiter ging es über Oderberg zum Schiffshebewerk, wo wir mit einer geringen Wartezeit die 36 m Höhenunterschied in wenigen Minuten überbrückten. Dann nahmen wir das lange Stück bis Marienwerder in Angriff, wo wir um 18:00 Uhr eintrafen. Hier hat sich einiges zum besseren geändert. Ein hilfsbereiter Hafenmeister schaut nach dem rechten und das Restaurant bietet gutsortierte schmackhafte Speisen an. Es lohnt sich also auch eine Wochenendfahrt dorthin, zumal man von hier in knapp zwei Stunden im Werbellinsee ist. Der letzte Reisetag führte uns zusammen mit wenigen Booten zur Schleuse Lehnitz. Es entstand somit eine zweistündige Wartezeit, bis genügend Boote auf den Schleusenvorgang warteten.

Bild09  

Auch eine Schleusung kostet Geld! Grund war die Schließung der Müritzwasserstraße wegen einer Schleusenerneuerung auf dieser Strecke. Somit blieb beim Einfahren in die Schleuse das übliche Chaos aus. Es war weder Hektik zu sehen noch ein lautes Wort zu hören. Alles ging in gesitteter Ordnung über die Bühne. Lediglich nach Verlassen der Schleuse wurde an dem vor uns fahrendem Boot durch die Polizei eine Verkehrskontrolle durchgeführt. Das muss wohl eine größere Sache gewesen sein, da es sehr lange dauerte. Es ging nun Richtung Tegeler See, wo wir vom ersten Vorsitzenden die Leinen in unserer Box übernahmen. Er hieß uns Willkommen und lud uns zum Ausklang des Sommerlochpokals ein. Vielen Dank an unsere Klubkameradinnen und Kameraden, die uns Würstchen und Leberkäse zurückgelegt hatten. Es war ein schöner Ausklang der Reise die uns über 823 nm / 1524 km in 73 Tagen an die gesamte schöne deutsche Ostseeküste vorbeiführte. Es ist in der Tat eines der schönsten Segelreviere der Welt, was wir zumindest in diesem Zustand erhalten sollten. Dabei ist Segeln die sauberste und umweldfreundlichste Fortbewegungsart in diesem Gebiet

Schleusung in Lehnitz    

 

 

Christa, Walter und Tom

Gut Wind