Die Weltmeisterschaft in San Franzisko 1997


Im Vorfeld

Daniel und ich, Ingo, wir haben uns über zwei Regatten in Kiel und Warnemünde für die Weltmeisterschaft in San Franzisko qualifiziert.
Vier Wochen vor der WM mussten wir unsere Boote in einen Container verladen, mit diesem wurden die 16 Europes und 1 Motorboot dann nach San Franzisko gefahren. In der Zwischenzeit haben wir uns Boote ausgeliehen, um nicht ganz aus der Übung zu kommen.
Am 24. Juli 1997 um 9.00 Uhr war es dann endlich soweit. Unsere Flugroute ging von Berlin nach Amsterdam und dann weiter nach San Franzisko. Leider bin ich noch in Berlin krank geworden. Vermutlich habe ich mich auf dem Tegeler Hafenfest mit Keuchhusten angesteckt und dieser sollte mich über die gesamte Zeit begleiten. So, der Flug von Berlin nach Amsterdam war mein erster Flug und es gefiel mir sehr, aber der nächste Flug über den großen Teich, der war nicht so toll, denn wir saßen genau über den Tragflächen des Jumbos und durften zehn Stunden lang das Summen der Düsen hören. Wenigstens hatten wir einen Fensterplatz, jedoch ohne Fenster! Also konnten wir nur schlafen oder die Filme ansehen und unsere Sprachkenntnisse in englisch und holländisch auffrischen.


Übern großen Teich

Um 13.30 Uhr nach Ortszeit kamen wir in San Franzisko an. Fast den gesamten Flug über hatte ich keine Probleme mit meinem Keuchhusten, aber kaum waren wir aus dem Flughafengebäude heraus, ging es wieder los. Nach einer Viertelstunde Verschnaufpause nahmen wir uns dann ein Taxi und fuhren zu unserem Motel. Mir fiel sofort auf, dass es ganz schön kühl war, etwa 22 Grad. Wir belegten nur schnell die auserwählten Betten und sind dann zu dritt in die Stadt. In T-Shirt und langer Hose sind wir dann die Market Street rauf gelaufen.


Das Motel

Das Motel war 20 Minuten zu Fuß vom Hafen entfernt. Die Zimmer bestanden aus drei Betten, einem Bad und es gab einen Tisch. Weil es keine Schränke gab, lebten wir aus den Taschen, dementsprechend sah es auch in unserem Zimmer aus. Man sah sofort eindeutig: hier müssen Segler wohnen.


Die Stadt

Wie schon erwähnt war die Market Street unser erstes Ziel und für die folgenden Tage unser Startpunkt. Von dort aus liefen wir durch die Stadt und sahen uns in den Geschäften um und kauften ein, was das Geld uns erlaubte. Gegen 16.00 Uhr kam der berühmte Nebel langsam in die Stadt gekrochen und es wurde sehr kühl. Das war der Moment, wo ich es bereute, keine Jacke mitgenommen zu haben.


Die Schiffe und das Ausladen

Unsere Schiffe waren inzwischen auch angekommen, aber die Tochter des Präsidenten der Klassenvereinigung hatte die Zollpapiere und sie kam erst drei Tage nach uns an. Aber das machte uns gar nichts, denn wir wollten auch was von der Stadt sehen.
Als wir die Boote endlich vom Zollgelände bekommen haben, mussten wir sie nur noch aus dem Container bekommen, dieser stand aber noch auf dem LKW-Anhänger (ca. 1 m hoch). Die Europes waren mit vereinten Kräften gar nicht so schlimm, aber bei dem Motorboot mussten wir passen. Da musste erst der Kran kommen und den Container vom Anhänger heben. Dann bauten wir unsere Boote auf. Ich war so froh mein eigenes Boot wieder segeln zu können. Danach mussten wir schnell zum Motel zurück, uns für die Eröffnungsfeier umziehen.


Die Eröffnungsfeiern

Der Präsident des St. Francis Yachtclub hielt die Eröffnungsreden. Bei der Eröffnung der Open Week wartete er und wunderte sich, warum niemand ans Buffet ging, denn die Amerikaner essen erst und halten dann die Reden. Dieses war innerhalb von fünf Minuten ratzeputz leergefuttert.
Die Eröffnung der WM war viel aufwendiger. Alle Nationen liefen nacheinander in alphabetischer Reihenfolge in den Saal ein. Aber auch hier gab es natürlich kleine Pannen, wie zum Beispiel, dass es keine deutsche Flagge gab oder die Reihenfolge etwas falsch war, Great Britain kam vor Germany.


Das Buffet und die Verpflegung

Das Buffet bot für jeden Geschmack etwas. Es gab Spezialitäten aus allen Nationen und es dauerte nie mehr als fünf Minuten bis nur noch die Tabletts auf dem Tisch standen. Die Angestellten des Clubs waren sehr schnell wieder dabei und füllten die leeren Teller auf, so dass es fast unbegrenzten Nachschub an allen möglichen Leckereien gab. Außer den Eröffungsbuffets gab es auch jeden Tag nach dem Segeln im Club etwas warmes zu essen für alle. Außerdem fand noch ein International Dinner statt, wo jedes Land von einem Vertreter des St. Francis Yachtclub betreut wurde.
Wie gesagt im Club gab es nur warmes Mittagessen, um den Rest mussten wir uns selbst kümmern. In dem nahegelegenen Supermarkt kauften wir unser Frühstück, bestehend aus Toast und Marmelade. Abends gingen wir fast immer zu Jack in the Box (ähnlich McDonald's) und später gingen wir dann auch frühstücken.


Das Revier

Wir segelten zwischen der Golden Gate Bridge und Alcatraz. Der Wind kam die ganze Zeit aus Richtung Golden Gate und wehte recht gut. Wir wurden schon bei der Eröffnung auf den hier herrschenden Strom aufmerksam gemacht. Wir hatten in unserer Zeit maximal 3 Knoten Strom, aber es können auch 5-6 Knoten Strom auftreten. Die erste Woche hatten wir nur auslaufenden Strom. Wir mussten aufpassen, dass wir nicht über die Linie getrieben wurden. Zur WM hatten wir dann einlaufenden Strom. Der Strom entschied für uns die Taktik. Bei auslaufendem Strom war die einzige Möglichkeit, über rechts zu fahren und bei einlaufendem Strom über links, Anschlag Ufer und dann zur Tonne.
Zu sehen gab es auch eine Menge, wie z.B. Seelöwen und Pelikane. Einmal ist etwa 3 m von mir entfernt ein Seelöwe aufgetaucht. Wir habe uns beide erschrocken.


Die Open Week und der eigentliche Grund

Die ersten Wochen hatte ich noch mit meinem Keuchhusten zu kämpfen, was auch der Grund war, warum ich einige Wettfahrten nicht mehr mitgefahren bin. Daniel hat dann auch aufgrund einer "Bekanntschaft" mit einer Kanadierin die letzten Wettfahrten nicht mehr segeln können. Die Bekanntschaft kostete 600$ und war rund zwei Handflächen groß. Zur WM war alles wieder in Ordnung bei Daniel und ich kämpfte mich mit dem Keuchhusten so übers Feld. Es wurden immer abwechselnd zwei oder drei Wettfahrten am Tag gesegelt, aber an einem Tag, wo die Männer drei Wettfahrten segeln mussten, wurde die dritte Wettfahrt abgebrochen wegen stark böigem Wind. Die Windstärke pendelte zwischen 4 Bft. und 8 Bft. Die stärkste Bö war über 35 Kn. Zeitweise kam es mir so vor, als ob ich nicht vorwärts segeln würde, sondern rückwärts. Auf der Kreuz bei diesem Wind und Gegenstrom war einfach kein Vorankommen. An diesem Tag habe ich auch noch getestet wie kalt das Wasser war.
Mein Keuchhusten hat mich während der WM nur noch wenig geplagt. Von den neun Herren segelten am letzten Tag nur noch fünf. Die anderen waren krank, hatten vom Vortag Materialschäden oder sich verletzt. Der letzte Tag war mein bester Tag. Der Wind ist abgeflaut, nur noch 3 Bft., dann habe ich mein neues Segel ausgepackt und bin nach einem perfekten Start dem Weltmeister vor der Nase hergefahren. Er hat trotzdem gewonnen (NOR 846). Daniel hat sich leider bei einer Kenterung das Knie verletzt und ist deshalb nicht mehr rausgefahren.


Die Amerikaner oder der Wettfahrtleiter

Allgemein kann ich nur sagen, dass die Amerikaner sehr nett und hilfsbereit waren. Außerdem sind sie ein sehr lustiges Völkchen. Der Wettfahrtleiter war der beste, auf dem Startschiff stand er immer mit seinem Megaphon und rief laut: "Get down, get down", wenn wir zu dicht an der Linie waren oder einmal war das gesamte deutsche Team über der Linie und er rief laut: "German Team, go down" und bei einem Gesamtrückruf bedankte er sich immer und führte einen lustigen Tanz auf.


Das Verladen und die Siegerehrung

Das war ein Streß. Wir mussten gleich nachdem wir an Land waren die Boote abbauen und zum Verladen fertig machen. Die Boote mussten noch an diesem Tag in den Container, denn die ersten sind noch in der Nacht abgeflogen. Außerdem wurden die Container am nächsten Morgen um 10.00 Uhr abgeholt. Zwischendurch wurden wir noch von der Siegerehrung und dem dazugehörigen Buffet aufgehalten.
Die Siegerehrung verlief ähnlich der Eröffnung, mit Einmarsch der Nationen und denselben Fehlern. Die Meister wurden geehrt, bei den Herren gewann Norwegen und bei den Frauen die Niederlande.
In totaler Dunkelheit haben wir die Boote wieder in den Container geschafft.


Der Yachtclub

Der St. Francis Yachtclub ist mit unserem Club nicht zu vergleichen. Es sah immer lustig aus, wenn die Segler in ihren Alltagssachen dort waren, während alle anderen mit Schlips und Kragen dort waren. Der Verein bestand wohl aus Millionären. Ich habe so etwas noch nie gesehen, der Verein hatte einen Gärtner, mehrere Kellner und Portiers. Die Mitglieder bringen jedes Jahr eine gewaltige Summe zusammen, um den Americas Cupper zu finanzieren.


Der letzte Abend

Wir wollten alle die Nacht durchmachen und einen, der um 4.00 Uhr fliegen musste, verabschieden. Der Versuch ist fehlgeschlagen und wir schliefen fest und lange. Die Taschen waren auch schon gepackt und alles hat wieder hinein gepasst.


Der Rückflug

In unserer Maschine sind einige Segler gewesen aus Dänemark, Schweden und Norwegen und unserer KV-Präsident.
Ich konnte wieder nicht schlafen, Daniel machte von Zeit zu Zeit die Augen zu, aber richtig schlafen konnte er auch nicht. In Amsterdam bekamen wir dann erstmal einen Hitzeschock, denn 28 Grad waren wir nicht gewohnt. Auf dem Flugplatz haben wir beide dann das erste Mal richtig geschlafen, bis ich aufgeschreckt bin. Beinahe hätten wir unseren Flug verschlafen. Beim Gepäck durchleuchten fanden sie dann auch noch in meinem Rucksack etwas Blei von der Vermessung. Ich durfte natürlich meinen Rucksack auspacken. Die letzte Stunde hat Daniel dann durchgeschlafen. Ich hab ihn dann wach gemacht als wir im Anflug auf Berlin waren. Wir wurden dann von unseren Eltern herzlich empfangen und bekamen unseren zweiten Hitzeschock: 32 Grad und Sonne in Berlin.
Zum Schluss möchte ich mich in unserer beider Namen bei allen Sportskameraden und -kameradinnen, bei allen Sponsoren, Spendern und besonders beim Segel-Club Freia bedanken für die Unterstützung bei dieser Reise.


Ingo Bleich

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